Aaretafel Story 2026
Von einer weissen Tafel in Südafrika bis auf die Oltner Holzbrücke
Ein warmer Sommerabend in Südafrika, ein langer Tisch, alle Gäste festlich in Weiss gekleidet, hervorragendes Essen und eine Sängerin, die für Stimmung sorgte. Das durfte ich als Gast erleben. Ums Wetter musste sich dort niemand Sorgen machen – es regnet ja praktisch nie. Dieser Abend hat mich nicht mehr losgelassen.
Ende 2025 habe ich Sandi Events gegründet. Ich wollte auf mich aufmerksam machen, und was eignet sich dafür besser als ein Event, an dem die Leute sehen, was in einem steckt? Ein Eigenformat also.
Ich dachte zurück an Südafrika. Klar, ein Longtable ist keine neue Erfindung – aber ein grossartiges Erlebnis. Was braucht es mehr, als draussen zu sein und gut zu essen? Nur eines war mir ein Dorn im Auge: das Schweizer Wetter. Die lange, intensive Planung – und dann wegen Regen absagen müssen? Nein danke. Das Risiko schien mir zu gross, und ich legte die Idee wieder zur Seite.
Die Brücke und Erlaubnis
Meine Schwester wohnt in Olten, und um zu ihr zu gelangen, bin ich schon unzählige Male über diese wunderschöne alte Holzbrücke spaziert. Eines Tages ging ich bei strömendem Regen und Sturm hinüber – und stellte fest: Die Brücke ist regendicht. Problem gelöst! Die nächste Frage: Findet die Stadt das gut, wenn ich auf ihrer historischen Brücke einen Event veranstalte? Mein Motto: nicht lange studieren, sondern probieren. Ich brachte das Konzept grob zu Papier – das Sicherheitskonzept dafür umso sorgfältiger, schliesslich fängt so eine alte Holzbrücke leicht Feuer. Das Ganze schickte ich nach Olten. Es dauerte nicht lange, da klingelte das Telefon: «Das sollte kein Problem sein – schön, dass du so ein Projekt in Olten machen willst.» Ich habe mich riesig gefreut – und dann realisiert: Ups, jetzt muss ich es wohl wirklich durchziehen. Und ich hatte nur noch drei Monate Zeit!
Olten ins Boot holen – Partner finden
Ich bin keine Oltnerin – will jedoch ein Event für Olten machen. Und da dachte ich mir: Wäre es nicht grossartig, damit auch Oltner Betrieben und Produkten eine Plattform zu schenken? Win-win, könnte man sagen. Genau das wurde zum Ziel: so viele Betriebe und Produkte aus Olten und der Umgebung einzubinden wie möglich.
Als ich Katharina und Daniel von der Waadtländerhalle von der Idee erzählte, waren sie sofort mit dabei – als kulinarische Hauptpartnerin der Aaretafel.
Beim Wein wurde es etwas kniffliger. Als (unter anderem) Sommelière und ehemalige Mitarbeiterin einer Weinhandlung habe ich in meinem Netzwerk herumgefragt – und man empfahl mir das Weingut Bisang. Zwar knapp jenseits der Solothurner Kantonsgrenze, aber nur einen Katzensprung von Olten entfernt. Thomas war sofort Feuer und Flamme. Wir sind aufs Weingut gefahren, haben den Wein degustiert, den Keller gesehen – und es hat gepasst! Bisang winzert naturnah, persönlich, im kleinen Team, und seine Frau ist Künstlerin und gestaltet die Etiketten von Hand. Einfach toll.
Mit Jenny Wüthrich war es genauso unkompliziert. Ich schickte ihr mein Konzept, und sie überraschte mich prompt mit dem wunderbaren Vorschlag einer farbigen Blumenwiese. Ruckzuck war die Sache unter Dach und Fach.
Und Benjamin Pipa vom Oltner Citymanagement – wie übrigens wirklich alle Menschen, denen ich in Olten im Zusammenhang mit der Aaretafel begegnet bin – war sofort begeistert. Wir sind gemeinsam durch Olten spaziert, und er hat mich mit Ideen und Insider-Tipps überschüttet. Grossartig!
Und es kam noch mehr regionale Unterstützung dazu: der Käse vom Chäsbueb, das Glace der Kalten Lust, die wunderbare Patisserie der Suteria, das Bier von Dreitannen, der Kaffee von Lü's Rösterei und das Wasser von Knutwiler. Mit all diesen tollen Produzenten und Lieferanten liess sich ein rundum stimmiges Angebot für die Aaretafel zusammenstellen – ehrlich, regional und mit viel Liebe. Und genau das war von Anfang an mein Ziel: ein Abend, der nicht nur den Gästen Freude macht, sondern auch den Betrieben dahinter eine Bühne gibt und sich für alle Beteiligten lohnt.
Ein Stück Aaretafel zum Selbernähen
Vor einiger Zeit hat meine Mutter meinen Schwestern und mir einen Nähkurs geschenkt. Wir haben aus alten Kleidern neue Kleidungsstücke genäht – unglaublich viel Spass und viel gelernt. Der Kurs fand im Atelier von Nicole Murant in Olten statt: ein wunderbarer Ort voller uralter Nähmaschinen, Overlocks und Hightech-Geräten. Nicole arbeitet mit Leidenschaft und absoluter Präzision.
Da kam mir die Idee: Wäre es nicht schön, Nicole in die Aaretafel einzubinden? Einerseits, um auch ihrem Atelier Sichtbarkeit zu schenken, andererseits, um die Aaretafel noch ein Stück spezieller und einzigartiger zu machen. Warum nicht die Tischläufer und Servietten selber nähen? Nicole war sofort begeistert und gab mir den Tipp, wegen der Stoffe bei Création Baumann anzufragen.
Also fuhren Nicole und ich zu Création Baumann. So ein riesiges Lager habe ich noch nie gesehen – endlose Regale, voll mit Stoffrollen. Sie legte uns salbeigrüne Reststoffe hervor, allesamt Stoffe, die sonst im Müll gelandet wären. Nun mussten wir rechnen: Aus welchem Stoff bekommen wir 120 einheitliche Servietten?
Mitte August habe ich dann meine Familie zusammengetrommelt – Schwestern, Mutter, Freundinnen und sogar die Grosseltern. Zwei Tage lang haben wir zu fünft genäht, geschnippelt, gebügelt und geschwitzt (es war brütend heiss). Das Ergebnis: Wir wissen jetzt alle, wie man Servietten näht – und du speist heute Abend an einer Tafel, die von vielen liebevollen Händen gemacht wurde.
Weil wir das Upcycling auch sichtbarer machen wollten – damit Nicole ihre Kurse zeigen kann – haben wir aus alten Kleidern (vom Boutique-Flohmi) diese lustigen «Bäumchen-Kleider» gezaubert. Schau mal genau hin: Da lugen überall Krägen, Taschen und Stoffe hervor. Einzigartig, oder?
Der Ticketverkauf
Vor dem Ticketverkauf hatte ich Respekt. Nicht, weil ich Angst hatte, dass den Oltnern das Konzept nicht gefällt – sondern wegen der Frage: Was sind sie bereit zu bezahlen? Nach reiner Kalkulation hätte ein Ticket deutlich mehr gekostet. Aber ich wusste, ich muss von der anderen Seite her denken: Was ist für Olten stimmig und fair?
Bei der Werbung stand mir Stephan von Moritzi Werbung zur Seite – er war übrigens schon dabei, als ich die Idee zum ersten Mal hatte und noch gar nicht wusste, wo ich sie umsetzen würde. Auch er war sofort Feuer und Flamme («Das wird mega!») und hat mir den Flyer gestaltet.
Und tatsächlich: Es war ein grossartiges Erlebnis. Kaum war der Verkauf online, gingen in den ersten Tagen rund 30 Tickets weg. Und nach dem Artikel im Oltner Tagblatt ging es zack, zack – im Nu waren alle Tickets vergeben. Ich hatte sogar eine Warteliste (abgesagt hat dann aber niemand). Wir überlegten kurz, die Tafel zu vergrössern, entschieden uns dann aber, es bei dieser Grösse zu belassen.
Die Extrameile
Und weil die Brücke einfach grossartig aussehen sollte, habe ich sie noch aufgewertet: mit dem Leiterwägeli, dem Sofa, den Weinfässli. Ich hoffe, es gefällt euch. Ausserdem wollte ich euch, meinen tollen Gästen, eine kleine Aufmerksamkeit mitgeben (und natürlich ein bisschen Werbung für Sandi Events machen): das «Aarewasser». Eine süsse Idee, oder? Nötig wäre das alles vielleicht nicht gewesen – aber machen nicht genau solche Extrameilen den Unterschied? Ich finde schon.
Die Detailplanung
Dann ging es an die Feinplanung. Der Aufbau findet an einem einzigen Tag statt – also muss alles bis ins Detail getaktet sein: Wer macht was? Nach wie vielen Zentimetern kommt der nächste Teller auf den Tisch? Wie lange dauert ein Service bei einer Tavolata mit so vielen Gängen und 120 Gästen? Wo richten wir das Backoffice ein? Ich habe unzählige Stunden am Computer gesessen, Pläne gezeichnet und meine Checkliste abgearbeitet. Irgendwann war alles bereit.
Money Money Money
Wie schon angedeutet: Damit alle Kosten gedeckt wären, müsste ein Ticket etwa das Doppelte kosten. Das Material, die Lieferung der Tische, das Personal, die Getränke und und und – da kommt ganz schön was zusammen. Zum Glück durfte ich auf etwas Unterstützung zählen: Ein kleiner Zustupf der UBS, ein Mini-Sponsoring, hat dem Event etwas Luft verschafft. Auch Jenny Wüthrich ist mir grosszügig entgegengekommen, und das Weingut Bisang hat einen Teil des Weines gesponsert. Und die Stadt Olten hat mir die Bewilligungskosten erlassen – ebenfalls ganz toll.
Unter dem Strich werde ich vermutlich trotzdem ein paar Franken drauflegen. Aber das sehe ich erst, wenn es nach dem Event ans Abrechnen und Kalkulieren geht. Wenn ich da und dort ein paar Schrauben drehe und meine Learnings für nächstes Jahr mitnehme – wer weiss, vielleicht gibt es ja eine Aaretafel 2027. Und meine Vision reicht noch etwas weiter: Wäre es nicht toll, eines Tages auch eine Reusstafel oder eine Limmattafel zu organisieren?
zum Schluss
Zum Schluss ein riesengrosses Dankeschön an meine Freunde und meine Familie. Sie haben mich oft (vielleicht auch manchmal ein bisschen zu oft) über die Aaretafel reden hören. Am Donnerstag und heute Samstag haben sie beim Aufbau den ganzen Tag mitgeholfen – ohne sie hätte ich keine Chance gehabt. Danke! Übrigens: Meine Wohnung war irgendwann kaum mehr bewohnbar, so viel Material hatte sich nach und nach angesammelt. Ups – was man nicht alles macht.
Ich hatte riesigen Spass daran, die Aaretafel auf die Beine zu stellen, und ich freue mich unbändig, sie heute mit euch zu erleben. Jetzt bin ich gespannt: Hat es euch gefallen? Über euer Feedback freue ich mich riesig – schreibt mir einfach eine Mail.
Danke für eure Aufmerksamkeit – und für diesen wunderbaren Abend.